Wenn Vorurteile Therapien steuern – über Stereotype im Gesundheitswesen

Sagw revue
© Eliane Fischer
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Andreas Gerber-Grote, Mitglied der Leitungsgruppe des NFP 83, und Ursula Meidert gehen in der Revue der SAGW auf die Rolle impliziter Stereotype im Gesundheitswesen ein.

Die erste Ausgabe der neuen «Revue» der Schweizerischen Akademie der Geistes- und Sozialwissenschaften (SAGW) ist dem Thema «Stereotype» gewidmet. Andreas Gerber-Grote, Professor an der Zürcher Hochschule für Angewandte Wissenschaften (ZHAW) und Mitglied der Leitungsgruppe des NFP 83, und Ursula Meidert, Dozentin am Institut für Public Health der ZHAW, bereichern das Magazin mit ihrem Artikel «Wenn Vorurteile Therapien steuern».

Darin zeigen sie, dass auch das Gesundheitswesen nicht frei von Vorurteilen, oder eben Stereotypen, ist und welche Folgen dies für die Patient:innen hat. Die Autor:innen gehen etwa der Frage nach, woher die Stereotype bei Gesundheitsfachpersonen überhaupt kommen und wie sie sich von der Anamnese über die Diagnose bis zur Therapie in der Gesundheitsversorgung manifestieren.

Auch Ansätze, wie Sensibilisierungs- und Bildungsmassnahmen, um stereotype Bilder von Patient:innen – etwa je nach ihrer Herkunft, ihrem Geschlecht oder ihrem Einkommen – abzubauen, werden angesprochen. Dabei kommen Gerber-Grote und Meidert zum Schluss, dass es mit individuellen Trainings des Gesundheitspersonals nicht getan ist. Der Umgang mit Vorurteilen auf struktureller Ebene verdient ebenfalls Aufmerksamkeit, wenn Ungleichbehandlungen tatsächlich und längerfristig abgebaut werden sollen.

Sowohl in Bezug auf das gesellschaftliche Bewusstsein als auch auf die Forschung und wirksame Initiativen zum Abbau von Stereotypen im Gesundheitswesen steht die Schweiz erst am Anfang.

Die Projekte des NFP 83 tragen auf unterschiedliche Weise dazu bei, solche Stereotype explizit zu machen, sie zu mindern und ihnen vorzubeugen. PD Dr. Joëlle Schwarz (Universität Lausanne) untersucht beispielsweise, wie Geschlecht, Alter, Klasse oder sexuelle Orientierung ärztliche Entscheidungen beeinflussen – etwa bei Diagnosen oder Therapiewahl. Auf Basis historischer und aktueller Praxis will das Projekt konkrete Ansätze für eine gerechtere, gendersensible Medizin liefern. Mehr zum Projekt gibt es auf der Website des NFP 83.